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Office 2010 Alerts im Ereignisprotokoll – eine Spurensuche

Auf der Suche nach einem Grund für ein Excel Problem bin ich im Ereignisprotokoll von Windows 7 auf eine neue Kategorie „Microsoft Office Alerts“ gestoßen. Hier werden verschiedenste Hinweise, die MS Office 2010 auslöst, protokolliert. Wird beispielsweise die Aufforderung zum Speichern einer geänderten Excel Datei verneint, legt Excel 2010 einen Eintrag im diesem Ereignisprotokoll ab.

Office 2010 Alerts

Im Protokoll sind auch weitere Ereignisse – alle unter der ID 300 abgelegt und natürlich chronologisch sortiert – zu finden. Folgend ein paar Beispiele zu den Meldungen für Excel 2010:

  • F:\Artikel\Office\Formulas.xlsx wurde nicht gefunden. Überprüfen Sie die Rechtschrei-
    bung des Dateinamens, und überprüfen Sie, ob der Speicherort der Datei korrekt ist. Wenn Sie versuchen, die Datei über die Liste der zuletzt geöffneten Dateien zu öffnen, stellen Sie sicher, dass die Datei nicht umbenannt, verschoben oder gelöscht wurde.
  • Microsoft Excel hat einen Fehler in dieser Formel gefunden. Der Korrekturvorschlag ist unten angezeigt. Wollen Sie diesen Vorschlag annehmen? ?=TEXT(D1;“0,00″)&“%“?
    • Klicken Sie auf Ja, um den Vorschlag zu akzeptieren.
    • Klicken Sie auf Nein, um dieses Dialogfeld zu schließen und die Formel manuell zu korrigieren.
  • Excel hat die Suche abgeschlossen und 12 Ersetzungen vorgenommen.
  • Upload Center, Möchten Sie alle zwischengespeicherten Informationen wirklich löschen?
  • Ein unerwarteter Fehler ist aufgetreten. AutoWiederherstellen wurde für die Dauer dieser Sitzung deaktiviert.
  • Nicht genug Speicher für eine vollständige Anzeige.

Während die letzten beiden Meldungen durchaus sinnvoll sind, da diese ja „echte“ Fehlermeldungen von Excel 2010 beinhalten, sind die vorangehenden Beispiele relativ banale Meldungen, die meines Erachtens nicht protokolliert werden müssten. Nicht nur Excel 2010, sondern auch die anderen Programme, wie beispielsweise Word oder Outlook“ schreiben ihre „Alerts“ in das Protokoll. Genauer untersucht habe ich für diesen Artikel allerdings nur Excel 2010.

Die Frage, die ich mir nun gestellt habe, ist: kann man diese Funktionen abschalten? Oder gibt es sogar Möglichkeiten festzulegen, welche Meldungen protokolliert werden sollten oder nicht? Eine Recherche im Internet blieb erfolglos, ebenso die Suche nach Einstellungen hierzu in den Optionen von Excel oder den anderen Programmen. Einzig die bekannten Journal-Funktionen in Outlook 2010 hatte ich gefunden, diese sind jedoch standardmäßig abgeschaltet. Wundert mich eigentlich schon ein bisschen, dass kaum jemand bislang dazu etwas geschrieben hat.

Die einfachste Möglichkeit wäre sicherlich in der Ereignisanzeige zum Baumeintrag „Microsoft Office Alerts“ per Rechtsklick aus dem Kontextmenü den Eintrag „Eigenschaften“ aufzurufen. Leider ist die Option „Protokollierung aktivieren“ ausgegraut.

Office 2010 Alerts

Danach hatte ich die Idee, in den administrativen Vorlagen für Office 2010 nachzuschauen. Vielleicht lassen sich dort verborgene Einstellungen finden. Vorab: leider hat das auch nicht zum Erfolg geführt. Die durchgeführten Schritte führe ich nachfolgend trotzdem auf, vielleicht sind diese für den einen oder anderen Leser interessant.

Die administrativen Vorlagen können in den Gruppenrichtlinieneditor eingebunden werden und ermöglichen auch das Setzen von Optionen, die in der Benutzeroberfläche von Office nicht zu finden sind. An dieser Stelle jedoch mein Tipp zur Vorsicht beim Hantieren mit den Einstellungen und Kombinationen solcher. Wer nur rumspielen und Einstellungen testen möchte, dem empfehle ich, dies auf einem Testsystem zu tun; beispielsweise in einer virtuellen Maschine. Erster Schritt ist natürlich, die Vorlagen bei Microsoft herunterzuladen. Vor einiger Zeit hatte ich in diesem Blog über Änderungen in den administrativen Vorlagen zu Office 2010 berichtet. Allerdings war damals Office 2010 noch im Beta-Stadium und es ist anzunehmen, dass die Vorlagen mittlerweile finalisiert wurden. Somit ist der im älteren Artikel aufgeführte Downloadlink zu den Vorlagen für die Beta-Version nicht mehr empfehlen, sondern der aktualisierte Link, den Sie am Ende des Artikels finden. Die Website ist zwar auf Englisch, jedoch sind nach dem Download die Vorlagen auch in Deutsch enthalten. Beim Einbinden der ADM-Vorlagen (das ältere Format für diese Vorlagen) in den Gruppenrichtlinieneditor erschien allerdings eine Fehlermeldung, ein String sei zu lang. Die Vorlagen wurden anschließend zwar eingebunden; ich habe mich dann aber trotzdem entschieden, die englische Version zu nehmen, wo die Fehlermeldung nicht erscheint.

Das Einbinden der klassischen Vorlagen ist recht einfach. Dazu muss einmal der Gruppenrichtlinieneditor aufgerufen werden, was in Windows 7 bzw. Vista durch die Eingabe von „gpedit.msc“ in das Suchfeld und Drücken der Enter-Taste geschehen kann. Für ältere Windows Systeme sollte der Dialog „Ausführen“ dieselbe Wirkung erzielen.

Anschließend habe ich im Baumelement „Administrative Vorlagen“ unter „Benutzer-
konfiguration“ einen Rechtsklick durchgeführt und „Vorlage hinzufügen/entfernen“ gewählt, wo dann die Dateien für Office 2010 gewählt werden können.

Office 2010 Alerts

Für diesen Artikel ist nur die Datei „office14“ relevant, Sie können aber natürlich die weiteren Dateien ebenfalls einbinden. Wenn man sich nun die verfügbaren Einstellungen für Office 2010 genauer anschaut, stößt man auf die Kategorie „Improved Error Reporting“, in welcher die zwei Einträge „Stop reporting non-critical errors“ und „Stop reporting error messages“ enthalten sind. Haben diese Einträge vielleicht etwas mit dem Protokollieren im Ereignisprotokoll zu tun?

Office 2010 Alerts

Leider nein, denn wenn ich diese Einträge konfiguriere, passiert nichts – wobei ich nicht meine, dass grundsätzlich nichts passiert, sondern nur in Bezug zum Ereignisprotokoll für die hier zuvor geschilderten Meldungen. Die Einträge werden weiterhin gesetzt. Schaut man sich die administrative Vorlage genauer an (diese sind letzten Endes nur Textdateien), ist der passende Abschnitt zu „Improved Error Reporting“ schnell gefunden. Die Einstellungen erstellen die zwei Registry Einträge „DisableShipAsserts“ und „NoAlertReporting“ im Pfad, der unter KEYNAME angegeben ist. Wobei, dieser unter HKCU, also HKEY_CURRENT_USER zu suchen ist.

CATEGORY !!L_ImprovedErrorReporting
  POLICY !!L_StopReportingNonCriticalErrors
    KEYNAME „software\policies\microsoft\office\14.0\common\shipasserts“
    EXPLAIN !!L_StopReportingNonCriticalErrorsExplain
    VALUENAME „DisableShipAsserts“
    VALUEON NUMERIC 1
    VALUEOFF NUMERIC 0
  END POLICY
  POLICY !!L_StopReportingErrorMessages
    KEYNAME „software\policies\microsoft\office\14.0\common\alerts“
    EXPLAIN !!L_StopReportingErrorMessagesExplain
    VALUENAME „NoAlertReporting“
    VALUEON NUMERIC 1
    VALUEOFF NUMERIC 0
  END POLICY
END CATEGORY

Beim Setzen der Optionen per Gruppenrichtlinie werden auch die Registry Einträge aktualisiert, insofern liegt hier kein Fehler vor. Nach Durchsicht weiterer Einstellungen konnte ich keine passende Einstellung in den administrativen Vorlagen finden; ich hoffe, ich habe da bei der Vielfalt an Einstellungen jetzt nichts übersehen.

Es stellte sich aber immer noch die Frage, ob es in Office 2010 überhaupt dafür eine Einstellung gibt. Bei www.sysinternals.com finden sich ausgezeichnete Tools, um beispielsweise die Registry Zugriffe oder Festplattenzugriffe einer Anwendung nachzuverfolgen.

Office 2010 Alerts

Mit einem solchen Tool ist es relativ einfach zu ermitteln, dass beispielsweise Excel 2010 anscheinend kurz vor dem Schreiben des Eintrags in das Ereignisprotokoll folgenden Registry-Pfad prüft:

HKLM\System\CurrentControlSet\Services\EventLog\OAlerts\Microsoft Office 14 Alerts

Unter diesem finden sich zwei Standardschlüssel, die sich z.B. auch bei weiteren Unterpfaden anderer Anwendungen finden lassen. Meine Logik sagt mir, wenn Office 2010 eine Registry Einstellung kennen würde, um das Erstellen des Protokolls abzuschalten, müsste dieser Schlüssel zuvor abgefragt werden. Hier wird dies jedoch nicht durchgeführt, jedenfalls konnte ich keinen Schlüssel finden.

Insofern würde ich schon fast behaupten, dass es leider keine Einstellung für Office 2010 gibt, die es ermöglicht das Loggen im Ereignisprotokoll abzuschalten. Eine absolut radikale Methode wäre jetzt den Registry Eintrag „OAlerts“ einfach umzubenennen. Empfehlen möchte ich dies aber nicht, denn es ist ja nicht bekannt, ob dies Auswirkungen auf weitere Funktionen hat.

Persönlich stört mich jetzt dieses Verhalten nicht sonderlich auf meinem privaten Rechner. Bedenken habe ich jedoch in Unternehmen, wo Arbeitgeber auf die Idee kommen könnten, das Ereignisprotokoll auszuwerten. Denn anhand des Protokolls kann ermittelt werden, auf welche Dateien wann zugegriffen wurde und welche Aktionen durchgeführt wurden, solange diese eine „Anwenderbestätigung“ benötigen. User haben zudem in Unternehmen oft keine Rechte, das Ereignisprotokoll einzusehen und würden letzten Endes das Protokollieren gar nicht mitbekommen.

Ich habe diese zuvor aufgeführten Tests nur auf meinem Windows 7 Ultimate Rechner durchgeführt. Ob Office 2010 auch Einträge in das Ereignisprotokoll älterer Windows Versionen, wie Vista oder XP ablegt, habe ich nicht geprüft.

Abschließend würde ich mir eine Möglichkeit von Microsoft wünschen, dass die Protokollfunktionen in Office 2010 eingestellt werden könnten, sei es nun per Anwenderoptionen oder Zusatztool. Oder vielleicht könnte das Häkchen zur Deaktivierung der Protokollierung einfach freigeschaltet werden.

Mourad Louha

Über den Autor · Mourad Louha

Mourad arbeitet seit 2005 als selbständiger Softwareentwickler und Trainer und lebt in Aachen, gelegen am Dreiländereck Belgien, Deutschland und Niederlande. In seiner Freizeit engagiert er sich in Online Communities rund um Office, schreibt beim Excel Ticker Artikel zu Office & Co. und betreibt weitere Community Projekte in Zusammenarbeit mit Freunden und Partnern, wie das Forum zu Microsoft Office 365 und Office 2013, den Excel Soccer oder den Excel Formel Übersetzer. Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er seit Januar 2011 jährlich von Microsoft als Microsoft Most Valuable Professional (MVP) ausgezeichnet.

 
Comments
Ulrich Groeschel

Ich bekomme imm er die MS Office Alert 14 Meldung mit ID 300 wenn ich Outlook schließe. Davon verstehe ich aber nichts.

Hallo Ulrich

Die ID kann meines Wissens mehrere Ursachen haben und muss nicht immer ein Fehler sein. In der Ereignisanzeige müssten weitere Informationen drinstehen, wenn Du den Eintrag zu Outlook anklickst. Die Ereignisanzeige kannst Du z.B. aufrufen, wenn Du das Wort „Ereignisanzeige“ in das Windows Startmenü Suchfeld eingibst. Anschließend links im Baum MS Office Alerts suchen. Wenn Du dann rechts einen Eintrag zu Outlook gefunden hast und dieser auch als Fehler gekennzeichnet ist, könntest Du nach dem Fehlertext im Internet suchen.

Gruß

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