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Word und der Rechtsstreit zwischen i4i und Microsoft

Gray Knowlton hat am 23. Dezember 2009 in seinem Blog den sehr interessanten Artikel „What is „Custom XML?“ … and the impact of the i4i judgment on Word“ publiziert. In dem Artikel geht es um die Entscheidung des Bundesberufungsgerichts am 22. Dezember 2009 im Verfahren i4i gegen Microsoft und dessen Auswirkungen auf Microsoft Word. Streitpunkt in dem Verfahren war bzw. ist ein Patent der kanadischen Firma i4i zur Verwendung von Tagging Techniken in XML Dokumenten, wie sie auch in Word bei der Verwendung eines benutzerdefinierten XML-Schemas vorkommen.

Microsoft Word

In Word 2007 bzw. Word 2003 werden diese XML Tags, wie in obiger Abildung zu sehen, nach dem Einfügen des benutzerdefinierten XML-Schemas in rosa hinterlegt. Da das Gericht der Klage von i4i stattgegeben hat, sind nun Auswirkungen auf zukünftige Versionen von Microsoft Word zu erwarten.

Gray Knowlton berichtet in seinem Artikel, dass sich an den bestehenden Installationen und vor dem 11. Januar 2010 erworbenen Versionen von Word 2007 bzw. Word 2003 nichts ändern wird. Word 2007 Versionen, welche ab dem 11. Januar 2010 erworben werden, werden die umstrittene Funktionalität nicht mehr enthalten. Diese Versionen werden je nach verwendetem Dateiformat bestimmte XML Funktionen entweder hervorheben oder aus dem Dokument entfernen.

Aus weiteren Quellen (Links folgen am Ende des Artikels) konnte ich zudem entnehmen, dass wohl nur Word Versionen betroffen sind, die innerhalb der USA verkauft werden; persönlich interpretiere ich das dann so, dass sich beispielsweise für deutsche Kunden erstmal nichts ändert. Wobei sich die letzte Aussage meines Erachtens relativieren dürfte, wenn mit Dokumenten auf internationaler Ebene oder in gemischten Versionen gearbeitet wird; dazu aber später mehr.

Ausserdem finden sich im Artikel von Gray Knowlton ein paar Tipps, wie am effektivsten vorgangen werden kann, um beispielsweise zu prüfen, ob die umstrittene Funktionalität in eigenen Dokumenten vorhanden ist oder nicht und wie eine Umstellung auf andere Technologien gewährleistet werden kann. Die einfachste Möglichkeit wäre, die Beta Version von Office 2010 zu installieren und die betroffenen Dokumente dort aufzurufen. Bleibt die vorherige Funktionalität erhalten, braucht man sich keine Sorgen zu machen. In anderen Fällen empfiehlt Gray Knowlton, die Funktionalität in Inhaltssteuerelemente zu verlagern.

Bislang hatte ich wenig mit dem Thema „XML und Word“ zu tun, insofern habe ich erstmal selber einiges lesen müssen und in Beispieldateien experimentiert. Die Möglichkeiten, die sich durch das Einbinden von XML in Word ergeben, sind enorm. Anwendungsgebiete ergeben sich beispielsweise beim professionellen Druck oder der Datenaufbereitung in Verbindung mit Servern oder weiteren Anwendungen. Sehr interessant, je nach Zeit werde ich mich mehr in die Materie einarbeiten und vielleicht später mal einen anderen Artikel darüber schreiben.

Ok, nach dem Lesen des Artikels von Gray Knowlton, ist mir spontan eingefallen, was würde passieren, wenn ich beispielsweise einem Kunden in den USA ein solches Dokument zusenden würde und dieser die „neuere“ Version von Word 2007 installiert hätte? Und wie wäre es, wenn es in die andere Richtung ginge? Da ja Office 2010 offensichtlich die strittige Funktionalität nicht mehr enthält, würde sich meines Erachten dieses als Testumgebung prima eignen.

Basierend auf meinem XML Schema, welches ich in meinen VBA Anwendungen zur Validierung meiner XML Dateien für Ressourcen verwende, habe ich zunächst eine stark gekürzte und auf die Schnelle veränderte Version des Schemas erstellt. Folgende Abbildung zeigt einen Auszug des Schemas, wobei an dieser Stelle über Sinnhaftigkeit der Definitionen nicht nachgedachte werden sollte.

Microsoft Word

Anschließend habe ich ein neues Word 2007 Dokument erstellt und mein XML Schema dem Dokument zugewiesen. Hierzu muss die Entwicklerregisterkarte aktiviert sein, damit, wie in folgender Abbildung zu sehen, auf die Schaltfläche „Schema“ geklickt werden kann. Im nun erscheinenden Dialog kann das XML Schema über „Schema hinzufügen“ an das Dokument gebunden werden.

Microsoft Word

Die Anzeige der verfügbaren Tags zu meinem XML Schema kann ich durch einen Klick auf „Struktur“ ein- oder ausblenden. Durch das Anklicken der Elemente im unteren rechten Bereich des Fensters können neue Tags eingefügt werden, wobei sich Word dann an die im XML Schema festgelegte Definition hält.

Microsoft Word

Schauen wir uns mal die Struktur des in Word 2007 erzeugten Dokumentes an. Dafür benenne ich die Datei „2000.docx“ in „2007.zip“ um und entpacke dieses in einen Unterordner. Im dortigen Unterordner „word“ liegt die Datei „document.xml“, die ich mit einem Texteditor öffne und sich wie folgt präsentiert.

Microsoft Word

Sehr schön zu sehen ist der Bereich, der meine eingefügten XML Tags beinhaltet. Was passiert nun, wenn ich das Word 2007 Dokument in Word 2010 öffne? Nun, wie zu erwarten, werden die Tags entfernt.

Microsoft Word

Auch am rechten Rand sind keine Elemente mehr zu finden. Neugierig, wie ich bin, speichere ich nun das Dokument in Word 2010, indem ich nur auf die „Speichern“ Schaltfläche drücke. Beim Abspeichern bekomme ich nun leider keinen Hinweis, denn wenn ich das Dokument nun wieder in 2007 öffne, sind alle Tags komplett entfernt worden, wie in folgender Abbildung zu sehen (das Fragezeichen in der Abildung stammt von mir).

Microsoft Word

Ob das nun ein Bug oder gewollt ist, kann ich nicht beurteilen. Dies dürfte jedoch sicherlich in einigen Fällen für Verwirrung sorgen, denn was ist wenn jemand ein Dokument zugesandt bekommt, ohne Kenntnis darüber zu haben, wie und wo Tags verwendet wurden, Änderungen vornimmt und es wieder an den Absender zurückschickt? Eine Warnhinweis an den Benutzer wäre vielleicht sinnvoll. Schauen wir uns nun mal die interne Struktur des Dokumentes an.

Microsoft Word

Meine XML Elemente sind logischerweise auch hier entfernt worden und an anderer Stelle habe ich sie auch nicht mehr gefunden. Der letzte Test, den ich durchgeführt habe, ist ein Dokument in Word 2010 zu erstellen und diesem XML Tags zuzuweisen, da ja aus Sicht des Anwenders mir diese Funktionalität wie in Word 2007 zur Verfügung steht.

Microsoft Word

Wenn ich das Dokument speichere, bleibt die Struktur erhalten. Schließe ich jedoch das Dokument und öffne es erneut in Word 2010, sind die Tags entfernt worden. Auch hier wäre ein Warnhinweis nicht schlecht.

Microsoft Word

Klar, es handelt sich bei Office 2010 um eine Beta Version, keiner kann erwarten, dass alles reibungslos funktioniert und auch keine Fehler enthalten sind. Ausserdem ist zu beachten, dass mögliche Einflüsse aus meiner Systemumgebung hier nicht berücksichtigt sind, wie z.B. die Parallelinstallation der verschiedenen Office Versionen in verschiedenen Sprachen.

Mein Fazit wäre, in jedem Fall die Ratschläge von Gray Knowlton zu befolgen und statt eines benutzerdefinierten XML Schemas eher die Inhaltssteuerelemente zu verwenden, zumal diese auch nicht streitig sind. Über die Verwendung von Inhaltssteuerelementen werde ich demnächst auch einen Artikel schreiben. Abschließend ein paar weiterführende Links zu diesen Themen:

Diesen Artikel habe ich ebenfalls auf folgenden Webseiten publiziert:

Mourad Louha

Über den Autor · Mourad Louha

Mourad arbeitet seit 2005 als selbständiger Softwareentwickler und Trainer und lebt in Aachen, gelegen am Dreiländereck Belgien, Deutschland und Niederlande. In seiner Freizeit engagiert er sich in Online Communities rund um Office, schreibt beim Excel Ticker Artikel zu Office & Co. und betreibt weitere Community Projekte in Zusammenarbeit mit Freunden und Partnern, wie das Forum zu Microsoft Office 365 und Office 2013, den Excel Soccer oder den Excel Formel Übersetzer. Für sein außergewöhnliches Engagement wurde er seit Januar 2011 jährlich von Microsoft als Microsoft Most Valuable Professional (MVP) ausgezeichnet.

 
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